Helmholtz, H., 1847  ·  passages 120 to 128 of 129

Über die Erhaltung der Kraft

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jjObgleick also Memand leugnen wird, dass Joule viel mekr getkan kat als Mayer, und dass in den ersten Abkandlungen (les Letzteren viele Einzelheiten unklar sind, so glanbe ich doch^ man muss Mayer als einen Mann betraciiten, der imabhangig and selbstandig diesen Gedanken gefimden hat, der den grossten neiieren Fortschritt der Naturwissenscliaft bedingte: iind sein Verdienst wird dadurch nicht geringer^ dass gleichzeitig ein Anderer in einem anderen Lande und anderen Wirkungskreise dieselbe Entdeckung gemacht, nnd sie freilich nacblier besser durchgeMirtiiat als er."

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In nenester Zeit liaben die Anhaiiger metapliysisclier Specu- lation versuclit das Gesetz von der Erlialtung der Kraft zu einem a priori gtiltigen zu stempeln, und feiern desbalb R. Mayer als einen Heros im Felde des reinen Gedankens. Was sie als den Gipfel von Mayer's Leistimgen anselien, namlicli die meta- physiscb formulirten Sclieinbeweise ftir die a priorisclie Notli- wendigkeit dieses Gesetzes, wird jedem an strenge wissen- schaftliclie Metliodik gewolinten Naturforsclier gerade als die scliwacliste Seite seiner Auseinandersetzungen ersclieinen und ist unverkennbar der Grund gewesen, warum Mayer's Arbeiten in naturwissenschaftlichen Kreisen so lange unbekannt geblieben sind. Erst als von anderer Seite her, namentiicli durch Urn. Joule's meisterhafte Arbeiten, die Ueberzeugung von der Rich™ tigkeit des Gesetzes sich Bahn gebrochen hatte, ist man auf Mayer's Schriften aufmerksam geworden.

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Uebrigens ist dieses Gesetz, wie alle Kenntnis von Vorgangen der wirklichen Welt, auf inductivem Wege gefimden worden. Dass man kein Perpetuum mobile bauen, d. h. Triebkraft ohne Ende nicht ohne entsprechenden Verbrauch gewinnen konne, war eine durch viele vergebliche Versiiche, es zu leisten^ allmahlicli gewonnene Induction. Schon langst hatte die franzosische Akademie das Perpe- tuum mobile in dieselbe Kategorie wie die Quadratur des Zirkels gestellt, und beschlossen keine angeblichen Losungen dieses Problems mehr anzunehmen. Das muss doch als der Ausdruck eiuer unter den Sachverstandigen weit verbreiteten Ueberzeu- gung angesehen werden. Ich selbst habe diese Ueberzeugung schon wahrend meiner Schulzeit oft genug aussprechen und die Unvollstandigkeit der dafiir zu erbringenden Beweise erortern lioren. Die Frage nach dem Ursprung der thierischen Warme forderte eine sorgfaltigere und vollstandige Erorterung aller rhatsachen, die darauf Bezug batten. Als ich an diese Arbeit ging, habe ich sie immer nur als eine kritische betrachtet, durch- aus nicht als eine originale Entdeckung, urn deren Prioritat es

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einen Btreit geben konnte. Ich war nachher einigermaasseii er- staunt ttber den Widerstand, dam ich in den Kreisen der Sack- yerstkndigen begegnete ; die Anfnahme meiner Arbeit inPogg en- dor ff's Annalen wnrde mir verweigert, nnd iinter den Mitgliedern der Berliner Akademie war es mir C. G. J. Jacobi , der Mathe- matiker, der sich meiner annalim. Ruhm iind aussere Forderimg war in jenen Zeiten mit der neuen Ueberzeugung noch niclit zu gewinnen; eher das Gegeutbeil. Dass ich selbst auch bei Ab- fassung der Schrift in keiner Weise nach einer mir nicht zii- komtnenden Prioritat getrachtet habe, wie mir meine Gegner metaphysischer Richtung anzndichten streben, ist, meine ich. vollstandig dadurch klargestellt, dass ich die andern Forscher, die in dieser Richtung gearbeitet hatten, so weit ich sie kannle, angefuhrt habe. Und schon neben diesen von mir angefithrten Afbeiten, namentlich denen von Joule, konnte damals von elffiem Prioritatsanspruch fiir mich nicht mehr die Rede sein, so ITiit ttberhanpt in Bezug auf das allgemeine Princip von einem &0tolien die Rede sein konnte.

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Wenn meine Litteraturkenntniss zu jener Zeit 1847 noch matollstandig war, so bitte ich dies damit zu entschuldigen, dass ict die vorliegende Abhandlung in der Stadt Potsdam ausge- arbeitet habe, wo sich meine litterarischen Hltlfsmittel auf die d©r dortigen Gymnasialbibliothek beschrankten, und dass damals die ,,Fortschritte der Physik^^ der Berliner physikalischen Ge- sellschaft und andere Hltlfsmittel noch fehlten, mit denen es jetzt allerdings sehr leicht geworden ist, sich in der physikali- schen Litteratur zu orientiren.

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6) Zu Seite 30. Der Begriff des Potentials eines Korpers, beziehlich einer electrischen Ladung au f sich selbst ist hier in etwas anderer Bedeutung genommen, als dies spater in der wissenschaftlichen Litteratur gewohnlich geschehen ist. Ich konnte in der sehr sparlichen, mir damals zuganglichen Litteratur keinen Vorganger ftir den Gebrauch dieses Begriffs finden, und habe mich deshalb bei seiner Bildung durch die Analogic des Potentials zweier verschiedenerLadungen gegen einander (Fim Texte) leiten lassen. Wenn man sich deren Trager als congruent und entsprechende Flachenstticke als gleich stark geladen vorstellt, so lasst sich das Potential T^ der beiden bilden. Nun kann man sich die beiden Korper in congruente Lage tibergefiihrt denken ; dann wird V das, was ich hier mit W bezeichnet habe. Darin kommt jede Combination je zweier electrischer Theilchen e und e zweimal in Rechnung.

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Das so gebiiclef e TV ist nicht der Wertli der Arbeit, wie anch- imTexte festgesteilt wird, sondern der letztere ist | JV (S. 30j.*) •In meinenspateren ilrbeiten babe icb micli dem zweckmils^lgereB Gebraiiclie anderer Aiitoren angescblossen mid |~ IV als ;das Potential des Korpers aiif sicli selbst bezeicliiict. '^} Die betreffende Stelle war im Original am Schhiss als Be- richtiguug eingefiihrt. Einleitung. I. Das Princip von der Erhaltung der lebendigen Kraft. II. Das Princip yon der Erhaltung der Kraft.

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III. Die Anwendimg des Princips in den mecbamsclien Tlieoremen. Y. Das Kraftaqiiivalent der electrischen Vorgange. VI. Kraftaquivalent des Magnetismiis imd Electromagnetismus. Ziisatze (188J}. Nachricht Die Abhandlung tjber die Erhaltung der Kraft etc. 7on Dr. H. Helmholtz erschien im Jahre 1847 als Broschiire bei G. Eeimer in Berlin. Dieselbe wurde wieder abgedriickt in den „Wisseu-r schaftlichen Abhandlungen von Hermann Helmholtz", Leipzig 1882, bei J. A. Barth, Bd. I, S. 12—75. Zu diesem Neudruck schrieb de^* Verfasser Anmerkungen, welche auf seinen Wunsch der gegenwar- tigen Ausgabe gleichfalls beigefiigt worden sind.

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Die in eckige Klammern gesetzten Zalilen bezeichnen die Seiten der Origin a lausgabe. Auf die Anmerkungen ist durch die Zahlen i) bis ^) hingviwiesen worden.

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